Programm am Samstag, 27. Juni:
• 19:00 Uhr - Lesung Julia Jost
• 20:30 Uhr - MONSTERHEART
• 21:30 Uhr - MAIIJA
Eintritt frei
Julia Jost
Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht

© Rafaela Pröll
Es ist das Jahr 1994. In einem Kärntner Dorf am Fuß der Karawanken sitzt die Erzählerin unter einem Lkw und beobachtet die Welt und die Menschen knieabwärts. Sie ist elf Jahre alt und spielt Verstecken mit ihrer Freundin Luca. Zum letzten Mal, denn die Familie zieht um. Der Hof ist zu klein geworden für den Ehrgeiz der Mutter.
Nach und nach treffen immer mehr Nachbarsleute ein, um beim Umzug zu helfen, und das Kind in seinem Versteck beginnt zu erzählen: von seiner Angst, im Katzlteich ertränkt zu werden, weil es kurze Haare hat. Weil es Bubenjeans trägt. Weil es heimlich in Luca verliebt ist. Dabei ist sie nicht die Einzige, die etwas verbergen muss.
In ihrem hochgelobten Roman schildert Julia Jost das Aufwachsen in einer archaischen Bergwelt zwischen Stammtisch und Beichtstuhl – und wie man hier als querstehendes Kind überlebt: dank einer zärtlichen Freundschaft und durch ein überbordendes Erzählen, das die Wirklichkeit besser macht, als sie ist.
Julia Jost, geboren 1982 in Kärnten, Österreich, studierte Philosophie, Bildhauerei und Theaterregie. Sie arbeitete als Regisseurin und Dramaturgin in der freien Szene sowie u. a. am Thalia Theater Hamburg. 2019 wurde sie für einen Auszug aus Wo der spitzeste Zahn der Karawanken … mit dem Kelag-Preis ausgezeichnet. Ihr Theaterstück ROM feiert im April 2024 am Volkstheater Wien Premiere. Julia Jost lebt in Wien und Berlin.
MONSTERHEART

© MONSTERHEART
Die Wiener Künstlerin MONSTERHEART präsentierte im Jänner 2026 mit „MELODY MAKER“ ihr mittlerweiles 5. Album.
Die Entscheidung für einen Bandnamen ist eine sensible Aufgabe. Wird sie mit Bedacht getroffen, kann sie auf elegante Weise zeigen, in welche Richtung eine Band oder eine Künstler*in denkt, welche Ziele sie verfolgen und welche gestalterische oder sogarideologische Idee hinter ihrer Musik steht. Schlecht ausgewählt, kann es freilich auch katastrophal ausufern.
Für die österreichische Musikerin und bildende Künstlerin Anna Attar gilt ersteres. 2011 wählte sie für ihr musikalisches Soloprojekt den Namen Monsterheart und dieses Pseudonym bringt ihr ästhetisches Streben perfekt auf den Punkt. Ihre Musik evoziert eine autarke kleine Welt, in der sie oft sehr unterschiedliche Extreme miteinander vermählt.
Songs die an die vermeintliche Niedlichkeit von Kinderliedern erinnern werden in dunkle Dark Wave-Wälder geschickt. Fröhlicher, ungemein melodischer Indie Pop wird von melancholischem Folk erschreckt. Und auch inhaltlich fügt Monsterheart Themen zusammen, die nur selten etwas miteinander zu tun haben, die in ihrer Kombination aber eine betörend romantische aber auch leicht abgründige Stimmung auslösen: Science Fiction Märchen, introspektive Reisen und kontemplativer Realismus.
Diese reizvolle Tradition der Zusammenfügung von Extremen praktiziert Monsterheart auch auf ihrem aktuellen fünften Album „Melody Maker“. Musikalisch ist man sofort in einer wärmenden Welt zwischen Sixties Vibes und Retrofuturismus.
MAIIJA

© Michael Marlovic
„What if“ – was wäre wenn – ist die Frage, die am Anfang jeder Geschichte steht. In ihrem neuen Album erkundet MAIIJA unterschiedliche Facetten des Menschseins. Was verbindet uns? Es sind unsere Gefühle, unsere Ängste – nicht die Momente, in denen wir Stärke zeigen wollen, sondern jene, in denen wir uns erlauben, Schwäche zu zeigen. Denn das kostet Mut: das Aushalten, das Hinsehen, das Verstehen.
Dabei ist es Marilies Jagschs Stimme, die zwischen stark und verletzlich oszilliert, sie nimmt uns an der Hand, sie flüstert in unser Ohr, sie kriecht unter unsere Haut, während sie tastend diese Gebiete erkundet. Musikalisch verschmelzen elektronische Elemente mit organischen Klängen. Das Schlagzeug treibt kraftvoll an oder bleibt bewusst zurückhaltend. Stimme und Gitarre treten oft in den Vordergrund, was für eine berührende Klarheit sorgt. Jagsch lebt seit Jahren mit der chronischen Krankheit Endometriose und lässt uns roh und poetisch an ihren persönlichen Erfahrungen teilhaben, die sie auf zwingende Weise mit kollektiven Verlusten in unserer unsicheren Gegenwart verknüpft.
Wie schon beim letzten Album war auch diesmal der Produzent Peter Paul Aufreiter beteiligt. Zusammen mit dem Schlagzeuger Gernot Scheithauer, dem Cellisten Lukas Lauermann und Gästen wie The Zew, Oskar Mayböck und Paul Szelegowitz gelingt ihnen eine Musik, die keine Angst davor hat, verwundbar zu sein, die verbindet und in ihrer ganzen schillernden Melancholie tröstet. Was bleibt, ist eine Erkenntnis, die wir nur zu leicht vergessen: Was auch kommt, wir stecken da gemeinsam drin.
MAIIJA ist das Projekt der österreichischen Musikerin und Komponistin Marilies Jagsch, deren Stimme seit über 15 Jahren die Wiener Musikszene prägt. Nach zwei frühen Soloalben öffnete sie 2023 ein neues Kapitel: Unter dem Namen MAIIJA erschafft sie gemeinsam mit dem Produzenten Peter Paul Aufreiter (Hearts Hearts) Songs, die experimentellen Pop, intimes Songwriting und elektronische Texturen zu einer einzigartigen Klangwelt verweben.
2023 erschien das Debüt I AM (Noise Appeal Records) und 2026 folgt das Album WHAT IF, das auf berührend persönliche Weise von Verwundbarkeit und Stärke erzählt, von Krankheit und Hoffnung, von Stillstand und Aufbruch – immer verknüpft mit der Frage nach kollektiver Verantwortung in einer unsicheren Gegenwart.
Besetzung
• Marilies Jagsch – Gitarre, Klavier, Gesang
• Jay Choma – Gitarre, Klavier, Gesang
• Peter Paul Aufreiter – Bass, Synthesizer
• Gernot Scheithauer – Schlagzeug
+43 699 15088177